Internship at "SerNaGeoMin" in Puerto Varas
Puerto Varas mit dem Calbucco im Hintergrund...
...und der Osorno - ein Bilderbuchvulkan.
Ich habe versucht, so oft wie möglich mit den Geologen auf Geländearbeit zu fahren. Zum einen weil die Arbeit im Büro eher langweilig war und zum anderen wollte ich natürlich möglichst viel zu sehen bekommen. Hier nun meine Berichte:
Allgemeine Feststellung: Geologie in Chile ist Abenteuer! Zumindest wenn man in den Bergen zu tun hat, und das ist hier ja nicht so schwer.
Nun aber mal der Reihe nach. Mein erster Ausflug, und letztendlich auch der beste ging mitten in die Anden, nach Palena. Unterwegs war ich mit einem Geologen, Paul und einem „field-assistant“, Rene. Beide können kein Wort Englisch. Also galt die nächste Woche intensives Sprachtraining! Mit dem vollgeladenen Jeep (Ausrüstung, Essen, Zelte etc.) ging es nach Puerto Montt, von wo aus 20 Uhr die Fähre nach Chaiten abfuhr. 12 Stunden Fahrt, plus minus einer Stunde (normal für Chilenische Zeitangaben). Die Schlafsessel waren wirklich mehr als unbequem eng aneinander gequetscht, aber ich hatte das Glück mich im Auto ausbreiten zu dürfen, während die anderen sich in den Sesseln gequält haben. Also war die Nacht für mich nicht allzu schlimm. Am nächsten morgen sind wir tatsächlich schon um 7 Uhr angekommen. Und schon mitten in den Bergen. Die Fahrt jetzt nach Palena war ziemlich schön und der erste Eindruck der Anden überwältigte mich.
Der Vulkan Michinmahuida
Asphaltstraßen gibt es hier keine mehr, und jetzt weiß ich warum hier nur so´ne Monster-Jeeps rumfahren. Selbst die Schotterstraßen sind nämlich nur mit Allrad und gewisser Bodenfreiheit zu bewältigen. Je weiter wir fuhren desto seltener begegneten wir Autos und um so mehr Reitern. Hier Fortbewegungsmittel Nummer 1. Wir legten zweimal kurze Stops ein, um mich in die regionale Geologie einzuführen. (hab also wirklich was gelernt!) In Palena angekommen, war das erste Problem, dass der Mensch mit den Pferden nicht anzutreffen war. Wie ich später erfuhr, war der Plan zu Pferd weiter zu reiten, da nun auch die Schotterpiste zu Ende war. Die gesuchte Person befand sich in seinem zweiten Haus: 2 Stunden Fußmarsch bis dahin. Und dazu sind die Chilenen dann doch zu faul. Also haben wir erst mal ganz in Ruhe Mittag gegessen, Brot und Käse, wie fast immer. Und dann kamen auch mal ein paar Reiter vorbei, die in die richtige Richtung ritten und Don Quinto (so wurde der Mensch, dem die Pferde gehören, genannt) Bescheid geben konnten. Trotzdem 5 Stunden warten. In der Zwischenzeit haben wir es uns auf seinem Grundstück bequem gemacht, also die Zelte aufgeschlagen. Und sind dann noch an den Fluss rummgammeln gegangen. Paul hat sein Glück etwas im Angeln versucht, aber von Geduld kann man da nicht reden. Dreimal reinwerfen und: „Komisch, hier sind heute keine Fische“.... Vielleicht scheint es hier ja üblich zu sein, dass sofort einer anbeißt. Als dann endlich Don Qinto mit zwei Pferden im Schlepptau ankam (Wir waren drei Leute!), konnten wir es uns auch noch in der Hütte gemütlich machen, zumindest zum Essen. Ich bin dann aber ziemlich schnell in meinen Schlafsack gefallen, mein Kopf lief immer noch etwas nach europäischer Zeit.
Den nächsten Tag sollte es aber sowieso erst einmal ohne Pferde losgehen. Wir haben den ganzen Tag nach Molybdenit in Monzonit gesucht. Und kein einziges Körnchen gefunden. Und das ganze auch noch schön in der Sonne mit viel Wärme. Man beachte, das hier in Chile die Nordhänge die mit der prallen Sonne zum Mittag sind. Ist ganz schön komisch, wenn die Sonne nicht im Süden sondern im Norden steht, bei Richtungsangaben hab ich mich so häufig mal getäuscht. Durch meine zwei Chilenischen Begleiter konnte ich mal ein bisschen in die Chilenische Art und Weise zu kochen reinschnuppern. Aber viel gelernt habe ich da nicht. Die haben alles immer gleich zubereitet, egal was es war. Na gut, ich meine bei uns auf Exkursion gibt es auch nicht so vielseitiges Essen. Abends kam dann noch Don Quinto mit einem weiteren Pferd und den nächsten morgen konnte es, nach dem zusammenpacken und Pferde beladen los gehen. Hinter dem Sattel hatte jeder jeweils sein Zelt, Isomatte und Schlafsack. Das war dann alles schön mit Pferdeschweiß durchweicht. Zum Glück hat mein Schlafsack eine Wasserdichte Hülle. Dann hatte jeder noch einen Rucksack mit Essen, Kocher und Geologenausrüstung. Von bequem auf dem Pferd sitzen konnte da nicht die Rede sein. Außerdem haben die hier einen komplett anderen Reitstiel und auch ganz andere Sättel, an die man sich erst mal gewöhnen muss. Ich konnte mich den nächsten Tag kaum bewegen.
Also ersteinmal 2 Stunden Ritt bis zu Don Quintos Haus. Er lebt dort total urig, ohne Strom und fließend Wasser gibt es aus dem Bach. Dort gab es lecker Mittag und ich habe mit der Enkelin Felipa (7 Jahre) ein bisschen Softball gespielt. Sie hat mir das ganze Gelände ringsrum gezeigt und haufen Sachen erzählt, von denen ich nur die Hälfte verstanden habe. Dann ging es weiter. Nocheinmal knapp 6 Stunden, der Hammer! Ich dachte wir kommen nie an! Gegen Ende mussten wir uns auch noch mit der Machete durch den Urwald kämpfen. Und uns um die zu großen Bäume drumrum fitzen. In was für Gelände sich die Pferde hier fortbewegen ist krass. Und total sicher! Über Geröll, über dicke Baumstämme, extrem steile Hänge hoch und runter....und die kucken ganz genau wo sie hintreten. Am Ziel standen tatsächlich die Überreste einer Hütte. Die anderen waren etwas deprimiert, weil die Hütte so deformiert aussah. Mich hat es aber nicht gestört, hab ja mein Zelt und hätte hier überhaupt nicht mit einer Hütte gerechnet. Aber der Ofen funktionierte noch und mit einer Plane wurde die Hütte auch wieder wasser- und winddicht. Zumindest von einer Seite. Auf dem Ofen wurde gekocht und warm war es da auch etwas. Hier oben wares nämlich nicht mehr ganz so warm. Es lagen sogar noch Reste von Schnee. Mein Zelt hab ich daneben aufgestellt, die anderen in der Hütte, später wusste ich dann auch warum. Hier oben war zwar von Anfang an Wind, aber er wurde immer doller. Nachts konnte ich nie so richtig schlafen, weil es so laut war und das Zelt sich pausenlos auf mich draufgelegt hat. Im folgenden Bild ist ganz klein unser Lager erkennbar, unten ungefähr in der Mitte.
Am nächsten Tag war erstmal mieses Wetter, absolut null Sicht und Nieselregen. Wir haben in der Nähe etwas nach Mineralen gesucht, vorallem Calcit für irgendwelche Analysen. Gegen Mittag wurde es besser. Nach der Mittagspause sind wir nochmal los zum Cerro (=Berg) Las Juntas. Einfach nur kucken, ob es da etwas interessantes gibt. Außer ein paar dikes gab es da aber nix, außer schöner Aussicht. Und das hat mir voll und ganz gereicht! ;-) Das ist genial hier. Du stehst auf einem Berg und kannst in alle Richtungen nur noch mehr Berge sehen und weit und breit keinen Ort oder Straßen. Richtung Argentinien sieht man es am Horizont flacher werden.
Ab und zu kann man kleine Hütten unten in den Tälern entdecken, wo Leute mit Tieren leben. Viele von denen reiten nur einmal im Jahr in die "Stadt" um wichtige Sachen zu kaufen, die sie nicht selber herstellen können. Besser gesagt zu tauschen. Ok, dann war zeitig Feierabend angesagt und ich bin noch mal ein bisschen alleine rumgestiefelt. Die Nacht war wieder komplett das gleiche wie die letzte. Sturm! Am nächsten Tag war aber das Wetter ganz gut und wir haben eine recht große "Wanderung" gemacht. Ziel waren Sedimente auf der anderen Hangseite. Dazu ging es immer einen Grat entlang mit ziemlich schöner Sicht, aber mächtigem Wind. Zurückzu war er stellenweise so stark, dass man nicht mehr laufen konnte, sondern sich auf den Boden kauern musste. Einmal hat es mich richtig drei Meter zur Seite geweht und gegen einen Stein geklatscht, an den ich mich dann krampfhaft festgeklammert habe. Der Wind war so stark, dass es tagsüber unsere provisorische Konstruktion der Hütte zerfetzt hatte und mein Zelt total deformiert aussah. Es waren aber nur die Stangen verbogen. Also noch alles funktionstüchtig.
In den Sedimenten haben wir verzweifelt nach irgendwelchen Fossis gesucht, gab aber nix. An dem Tag habe ich dooferweiße vergessen mich mit Sonnencreme einzuschmieren. Es war so kühl, das ich nicht drangedacht habe. Jetzt hab ich ne gescheckte Nase, die sich gerade schält. ;-) Kurz nach um 4 waren wir wieder am Lager und mussten jetzt schnell zusammenpacken, weil es jetzt noch zurück gehen sollte. Um 6 war alles gepackt.
Das erste Stück mussten wir laufen, weil das Gelände zu steil runter ging, um zu reiten. Und dann haben wir eine Rekordzeit für die Strecke aufgestellt. 4,5h bis zu Don Quintos Haus. Waren also halb elf dort, im Dunkeln und ich war mehr als total müde. Glücklicherweise konnte ich in einem freien Bett schlafen und musste mich nicht noch mit zeltaufbauen quälen, welches ja außerdem noch total verbogen war. Nach den letzten stürmischen Nächten, hab ich auch dringend mal wieder ruhigen Schlaf gebraucht!
Den nächsten Morgen haben wir noch beim Kühe melken zugekuckt, etwas hausgemachten Käse gekauft und dann ging es nocheinmal zwei Stunden auf dem Pferd zu unserem ersten Lager, wo der Jeep auf uns wartete. Und dann noch etwas Strassenaufschlüsse begutachten. Diesmal mit ein paar Fossis, aber nichts interessantes.
es wirklich sehr heiß war. Am nächsten Morgen mussten wir um 6 Uhr aufstehen um 9 Uhr die Fähre zu bekommen, allerdings eine andere als hinzu, die fuhr jetzt nur 6 Stunden. Und wir waren gerade das letzte Auto, was noch draufgepasst hat. Auf der Fähre waren haufen deutsch sprechende Touris. Erstens war es sowieso komisch nach den Tagen in der Wildniss wieder so viele Leute zu treffen und zweitens um so komischer, dass auf einmal so viel deutsch um mich rum geredet wurde. Ja und dann noch etwas über total überschwemmte Schotterpisten fahren, weil es schon seit geraumer Zeit wie aus Kübeln goss und dann waren wir wieder da.
Der nächste größere Trip ging nach Pucon, mit nem Geologen, Juan und nem Chauffeur, Roberto. Pucon an sich ist die absolute Touristenstadt. Und da hier zur Zeit Sommer ist und alle Ferien haben, ist es natürlich gerammelt voll. Es gibt so an die 10 Internetcafes und zu Spitzenzeiten waren echt alle belegt. Außerdem ist Pucon auch Stadt der Reichen. Hier hat jeder der ein Gewisses Ansehen hat ein Häuschen am Lago Villarica. Dem entsprechend sind auch die Preise. Gewohnt haben Roberto und ich auf einem Campingplatz außerhalb Pucons am See und mit (Stein-)Strand.
Nun aber zur Arbeit. Wir sind in dem Gebiet alle befahrbaren Wege abgefahren und haben nach Massenströmen, Erdrutschen und ähnlichem Ausschau gehalten. Wenn wir welche gefunden hatten, wurden die nicht etwa näher betrachtet, sondern nur fotografiert, GPS-Position genommen und ein Punkt in die Karte gemalt. War so was wie erste grobe Begutachtung des Gebietes. Der zweite Tag war dabei der interessanteste, da wir bis kurz vor die argentinische Grenze immer entlang amFuss des Vulkans Lanin gefahren sind. Das Gebiet ist bekannt für die uralten Bäume, die "Araukarien".
Am Freitag war dann etwas „Tourist-sein“ angesagt. Tour auf den Vulcan Villarica mit einer Touristenorganisation. Der Vulkan ist der zweit aktivste Südamerikas. Und da qualmt und brodelt es ordentlich. Lava habe ich allerdings nicht gesehen, hat nur gedampft und übelst gegrummelt. Der Weg da hoch war für mich weniger anstrengend, obwohl reichlich tausend Höhenmeter zu überwinden waren. Das ganze passierte aber im absoluten Schneckentempo, so dass ich oben angekommen ruhig noch mal die gleiche Strecke Weg hätte zurücklegen können.
Zwischendurch dachte ich echt manchmal das gibt es ni und war kurz davor umzudrehen, weil es mir einfach zu sehr auf die Nerven ging. Bin bei dem mittleren Stück etwas zu weit hinten in der Gänseschlange geraten und das war übel: halbe Minute übelst losstiefeln und dann eine Pause und so weiter.... ich war fast am verzweifeln. Also hab ich mich dann nach der Pause direkt hinter den Bergführer gedrängelt und das war wesentlich schöner. Der hatte ein ganz konstantes Tempo ohne groß Pausen einzulegen. Ich glaube, dass ich fast die einzigste war, die schon mal auf nem Berg war. Es ist krass was die da so für Leute hochschleifen.... manche brauchen schon nach den ersten 10 Minuten eine Pause und sind schon hoch rot angelaufen. Naja, ist nix für mich so ein Massentourismus. Ich will die Berge für mich alleine haben. Zumindest war der Bergführer von mir äußerst beeindruckt, als ich oben angekommen nicht einmal eine Pause machte, sondern gleich weiter stiefelte und den Krater umrundete. Die anderen haben sich alle erst einmal halbtot fallen lassen. Oben war es dann aber richtig schön, wenn man die ganzen Leute ignoriert hat. Herrliche Aussicht über fast gesamt Chile. ;-)
Zumindest konnte man den Vulkan Osorno bei Puerto Varas ganz hinten am Horizont erkennen. Irgendwann landete dann noch ein Hubschrauber hier oben und spätestens da hab ich mir geschworen nie wieder eine geführte Bergbesteigung mit zumachen.
Der Rückweg war auch ganz lustig. Hier wird nicht runter gelaufen, sondern auf dem Hintern gerutscht. Sind schon richtige Rinnen „ausgerutscht“. Da setzt man sich einfach auf den Hintern und steuert die Geschwindigkeit mit dem Eispickel, das geht meist ganz gut, aber halt nicht immer. Wenn es sehr steil wird, brauch man ganz schön Kraft um zu bremsen. Das haben natürlich nicht alle hinbekommmen und so mussten wir noch ein Mädel mit gebrochenem Bein runtertransportieren. Zum Glück waren hier auch zwei Snowboard-Tourengeher unterwegs. Den ihr Brett wurde gleich einmal als Kranken-Trage verwendet.

Der Osorno - majestätisch ;-). Wir waren aber nicht oben.
Blick Richtung Vulkan Calbucco und Lago Llanqihue.
Faszinierende Vulkanlandschaft.Bilder von unserem Urlaub gibt es hier.
Diese knapp drei Monate in Chile waren meine schönste Reise überhaupt! Besonders aber sicher da ich während des Praktikums viel Kontakt zu Einheimischen hatte und so für den Urlaub schon ganz genau wusste, wie so alles in Chile abläuft.

